Miltigau b. Marienbad

 

 

 

 

Lage:
Die Gemeinde Miltigau ist an den westlichen Ausläufern des Kaiserwaldes an der alten Reichsstraße von Eger nach Pilsen gelegen.

 

 

 

 

Geschichte
In der Nähe von Miltigau sind noch Reste einer sogen. Motte, einem von einem Graben umgebenen hölzernen Wehrturm auf steinernem Fundament als burgähnlicher Wehrbau der frühen deutschen Kolonisation der Zeit um 1300 erhalten.


           Reste des Wehrbaues bei Miltigau

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren die Orte Miltigau und Klein-Schüttüber im Besitze des Klosters Wadsassen. Als Konrad von Haslau, Richter des Vogtes von Plauen, von Untertanen des Klosters erschlagen wurde, einigten sich das Kloster einerseits und die Verwandten des Konrad von Haslau andererseits nach einem Schiedsspruch am 1. Nov. 1311 dahingehend, daß die Familie des Haslauers in dieser Sache auf weitere Maßnahmen gegen das Kloster verzichtete, wohingegen das Kloster der Wiwe des Haslauers 60 Pfund Pfennige gibt, der durch Verpfändung des Zehnten von Miltigau, Kleinschüttüber und Ebersfeld erstattet wird.

Am 18. Nov. 1313 löst das Kloster Waldsassen die Verpfändung von Miltigau wieder aus (vgl. Gradl Heinrich:Geschichte des Egerlandes. Prag 1893, S. 143 und Monumenta Egrana I Nr. 617). Nach Version der Waldsassener Urkunde zu diesem Vorgang verzichtet Katharina, Witwe des Konrad von Haslau auf  2 Pfund Heller aus einer Verpfändung ihres verstorbenen Ehemannes gegenüber dem Abt Johann von Waldsassen (Archivaliensignatur:StAAM, Kloster Waldsassen Urkunden 194).


Als Lehen der Leuchtenberger Landgrafen erwarben die Hertenberger im 16. Jahrhundert den Besitz Miltigau.Im Jahre 1722 kam die Herrschaft in den Besitz der Jesuiten von Eger, die im Zuge der Enteignungen klerikalen Besitzes durch Kaiser Joseph II. in staatliche Verwaltung. Im 19. Jahrhundert fiel Miltigau an die Metternichsche Herrschaft Königswart. 

Mit dem Ende der Patrimonialverfassung von 1850 bildete Miltigau mit den benachbarten Siedlungen Klenschüttüber (mundartlich: Kleinschöd), Leimbruck, Teschau und Krottensee eine Gemeinde im Bezirk Königswart, kam später verwaltungsmäßig zum Bezirk bzw. Landkreis Marienbad. 


Nach dem II. Weltkrieg wurden die durchwegs deutschen Bewohner hauptsächlich im Jahre 1946 in die Westzone (Hessen) vertrieben. 

 


Etymologische Ableitung der Ortsnamen:

Miltigau: 1311 "Milikowe", 1370 "Milikaw" aus einem Personennamen mit dem Attribut "milo" = erbarmenswert oder milý = lieb (Fischer Rudolf:: Zur Namenkunde des Egerlandes, Reichenberg, Leipzig 1940, S. 21). 

Leimbruck, Brücke über den Leibenbach: aus alttschechisch L'uben oder Lubo, einem Personennamen , also "Bach des Luben", eingedeutscht zu "lāim, Leimbach (Fischer, Namenkunde, S. 18).

Schüttüber (Kleinschüttüber, mundartlich "Kleinschöd") und Großschüttüber. 1299 "Schedober", 1311 "Scheduber" aus alttschechisch Šědovari = Pilzkocher (Fischer,Namenkunde, S. 32).


Pfarreizugehörigkeit: 
Ab dem Jahre 1616 ist der Ort Miltigau im Kirchenbuch von Schönfeld erfaßt; nach der Kirchenbezirksreform von 1787 ist Miltigau zusammen mit den Ortschaften Kleinschüttüber, Rockendorf und Leimbruck in einem eigenen Pfarrbezirk zusammengefaßt.

Angaben zur Lenkfabrik (Abschrift aus: Schwartling Fritz: Miltigauer Haus- und Familienchronik von 1982, kursiv):
Vor 1850 trieb der Miltigau- oder Liebensteig-Bach hier eine Papiermühle, dann eine Weberei. 1875/76 wurde von den aus Sachsen stamenden Brüdern Eduard und Karl Lenk eine Textil-Färber - und Druckerei mit Dampf- u. Wasserkraft errichtet. Eduard war der leitende Kopf. Als er in jungen Jahren starb, ging das Geschäft zurück. Die Firma hatte auch Einzelverkaufs-Grschäfte in Karlsbad, komotau, auch in Miltigau selbst. 
Als nach dem Tod von Karl sein einziger Sohn Ferdinand die Fabrik übernahm, konnte sie dieser nicht halten u. verkaufte sie an die aus Ungarn stammende jüd. Firma "Eppinger & Söhne". Sie erweiterten den Betrieb durch moderne Maschinen (um 1903). Es wurden schöne mehrfarbige Stoffdrucke hergestellt (120 Beschäftigte!). 
Zu der Zeit wurde Miltigau häufig von auswärtigen Geschäftsleuten und Offizieren der Egerer Garnison besucht u. von diesen zu einem Gefechtsschießplatz ausgebaut (links vom Markusgrüner Weg bis zum "Bouzet").
Nach wenigen Jahren des Aufschwungs fürchteten andere Fabrikanten die neue Konkurrenz. Sie kauften den Eppingers den Betrieb ab und ließen ihn einfach stehen. Wahrscheinl. spielte ach der fehlende Bahnanschluß eine Rolle. Viele Miltigauer wuden brotlos und waren gezwungen, abzuwandern. Die Kessel und Maschinen wurden fortgeschafft. Das beginnende Miltigauer Stadtleben war vorbei. 
Die leeren Gebäude kaufte der Bankobmann Schwarz. 1909 ließ er die hölerne, hoch versicherte Trockenanlage abbrennen. Auch die anderen Gebäude wurden beschädigt.
Um 1900 war der Tagesverdienst bei 10-stündiger Arbeitszeit 80 Kreuzer bis zu 1. Gulden.
Die Ruinen kaufte 1909 der Maurermeister Georg Zuber sen. aus Lappitzeld. Er errichtete ene Kunstmühle mit einer Wasserturbine und ein Sägewerkmit 2 Bandgattern. Sein Sohn Georg wurde Baumeister. Sein Baubetrieb mit Zimmerei nahm bis 1939 einen guten Aufschwung. Besonders im egeren Egerland baute er viele Bauern- und Wohnhäuser.




Die herrschaftlichen Güter am westlichen Kaiserwald:
1. Das Gut Miltigau
- das Dorf Miltigau
- Teschau
- Krottensee
- Schönficht
2. Das Gut Rockendorf
3. Das Gut chüttüber
4. Das Gu Königswart
5. Das Gut Schönlind


 

Bild(er)



50-jähriges Jubiläum der Feuerwehr (1929)








































  (wird fortgesetzt)